Spuren: Selbst Ihnen als Sachverständigem ist es so ergangen, dass
Sie (vereinzelten Heilern im Rahmen von Kongressen und) in den Massenmedien ein großes Publikum verschafften, sich nachträglich aber von ihnen distanzieren mussten, weil sie ethisch zweifelhaft vorgingen. Wie ist es aus Ihrer Sicht dazu gekommen? Wiesendanger: Nur wenigen Heilern fällt im Laufe ihres Lebens die Chance zu, vor einem Millionenpublikum für ihre Therapieform zu werben. Mit solchen Gelegenheiten geht stets die Versuchung einher, den eigenen Ruhm zu mehren und
Kasse zu machen. Ihr kann man widerstehen - oder erliegen. Spuren: Sind solche Großauftritte von Heilern denn nicht grundsätzlich verfehlt? Der Skandal, dass sich der berühmt gewordene Heiler nur noch wenige Minuten auf Klienten einlässt, scheint doch vorprogrammiert. Wiesendanger: Wer Geistheilern die nötigen rechtlichen Freiräume verschaffen und sie in unser öffentliches Gesundheitswesen integrieren will, nach britischem Vorbild, muss Druck machen:
politischen Druck auf mächtige soziale Gruppen, die ein Interesse daran haben, Geistiges Heilen pauschal abzuwerten oder gar zu kriminalisieren. Um die Öffentlichkeit dafür zu mobilisieren, sind wir auf Massenmedien angewiesen. Und um diese zu gewinnen, muss man sich an deren Spielregeln halten: Themenvorschläge, die sich nicht “personifizieren”, das heißt an film- und fotografierbaren außerordentlichen Leistungen und Schicksalen festmachen lassen, enden in den Redaktionen
gewöhnlich im Papierkorb. Skandale müssen durchaus nicht “vorprogrammiert” sein: Die Entwicklung mancher Heilerpersönlichkeit (...) zeigt doch, dass Berühmtheit keineswegs zwangsläufig dazu verführen muss, Heilen zur Selbstbeweihräucherung und Selbstbereicherung zu mißbrauchen. |