Mit Leib und Seele
- Harald Wiesendanger
- 22. Sept. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Dez. 2025

Dr. Harald Wiesendanger
Mit Leib und Seele
Ursprung, Entwicklung
und Auflösung eines
philosophischen Problems
589 Seiten
Peter Lang Verlag: Frankfurt/Bern/
New York 1987 (vergriffen)
Schon die Antike spekulierte über “Seele” und “Geist”. Doch die Idee, wir seien aus unserem Körper und etwas ganz und gar Unkörperlichen, “Mentalen” zusammengesetzt, entwickelte sich erst im 17. Jahrhundert, ausgehend von Descartes. Fortan plagte Philosophen ein “Leib/Seele-Problem”, Dualisten rangen mit Materialisten. Der Streit ist entschieden, argumentiert dieses Buch: Der “Materialismusstreit”in der Analytischen Philosophie seit 1950 hat das Vorurteil erübrigt, eine physikalische Theorie könne unsereins unmöglich vollständig beschreiben und erklären. Mehr noch: Das “Mentale” war von Anfang an ein Mythos, geboren aus der Not, dem Fach Philosophie im Zeitalter der Naturwissenschaften ein neues Selbstverständnis zu verschaffen.
Was erwartet Sie?
Einführung
Zur Bedeutung des Leib/Seele-Problems
I DAS KLASSSISCHE LEIB/SEELE-PROBLEM
Der Ausgangspunkt: Descartes´ ontologischer Dualismus
Das Problem des Dualisten: Mentale Verursachung
Gescheiterte Lösungsversuche:
Okkasionalismus (Malebranche) - Parallelismus (Leibniz) -
Epiphänomenalismus (Huxley)
Der klassische Materialismus:
Wie er das Problem der mentalen Verursachung löst
Das Problem des Materialisten: Die Kriterien des Mentalen
Das klassische Leib/Seele-Problem: ein Dilemma
Keine Alternativen: Die Doppelaspekt-Theorie (Spinoza) -
Der Immaterialismus (Berkeley) -
Der Neutrale Monismus (Hume)
II DILEMMA AUFGELÖST?
DER “LINGUISTIC TURN” UND DIE SPRACH-
ANALYTISCHE BEHANDLUNG DES LEIB/SEELE-
PROBLEMS
Der Weg zum Logischen Behaviorismus
Ryles Kampf gegen das “Gespenst in der Maschine”
Philosophie als Sprachtherapie
Die Anwendung auf den Dualismus
Ryles “logische Geographie” des Geistes
Über den Behaviorismus hinaus
Anknüpfungspunkte für den modernen Materialismus
“Wissenschaftlicher Realismus” als Wegbereiter
III DIE ENTWICKLUNG DES
MODERNEN MATERIALISMUS
1 Der “Materialismusstreit”: eine Skizze
2 Meilensteine in der Entwicklung
des modernen Materialismus
Die Identitätstheorie (Feigl, Place, Smart, Armstrong)
Der Eliminative Materialismus (Quine, Feyerabend, Rorty)
Die Einheit in der Vielfalt: ein “partikularer Physikalismus”
Der Funktionalismus (Putnam, Fodor, Dennett)
Die Einheit in der Vielfalt (II): Auch der Funktionalismus
läuft auf einen “partikularen Physikalismus” hinaus
Warum Donald Davidson diesen Materialismus
für notwendig wahr hält: Die “Anomalie” des Mentalen
“Emergenter” und “supervenienter” Materialismus:
keine echten Alternativen
Papierlos in Privatgalerien: Geistige Bilder
Widerspenstige Qualia:
Wohin mit unserer “phänomenalen” Innenwelt?
Kann der Materialismus unmöglich sein?
Zur Kritik von Saul Kripke
Die Eigenperspektive vergessen?
Thomas Nagels “Neuer Subjektivismus”
Das Problem der Intentionalität -
Zu Roderick Chisholms Verteidigung des Dualismus
Verhalten und Handeln, Gründe und Ursachen
Gegen Freiheit und Verantwortung?
“Nicht mehr heraus als hinein” -
Maschinen und menschliche Kreativität
Und wo bleibe Ich? Der Materialismus entdeckt
Identitätsprobleme neuer Art
“Paranormale” Erscheinungen: Beweise für den Dualismus?
Jenseits aller Erfahrung - Warum wir jeglichen empirischen
“Beweisen” oder “Widerlegungen” des Materialismus
mißtrauen sollten
Offene Fragen
IV AM ENDE DES MATERIALISMUSSTREITS:
DAS LEIB/SEELE-PROBLEM LÖST SICH AUF
Die Idee des Mentalen: ein erkenntnistheoretischer Mythos
Das Mentale als das zweifelsfrei “Gegebene”
Kritik des “Mythos des Gegebenen”
Unkorrigierbarkeit als Kriterium des Mentalen
Der Ursprung der Idee des Mentalen
V NACH-GEDACHT -
“GEISTLOSE” PHILOSOPHIE: EIN UNDING?
Bibliographie:
Das philosophische Leib/Seele-Problem im 20. Jahrhundert
Anmerkungen
“Der Dualismusstreit ist entschieden, argumentiert Harald Wiesendanger in einer Auftragsarbeit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Neueste Entwicklungen in der philosophischen Psychologie hätten das Vorurteil erübnrigt, eine physikalische Theorie werde unmöglich beschreiben und erklären können, was unsereins ausmacht. Nichts spreche dagegen, daß selbst “paranormale” Erscheinungen in einer solchen Theorie Platz haben werden.
Hinter der Idee des “Mentalen” stecke in Wahrheit der Glaube an ein festes Fundament von unerschütterlichen Gewißheiten, auf dem all unsere Überzeugungen rekonstruiert werden können und müssen, ehe sie zu echtem Wissen werden. Diese Idee, so Wiesendanger, beherrschte jahrhundertelang die Philosophie, weil sie ihr zu einem neuen Selbstverständnis verhalf, mit dem sie sich im Zeitalter der Naturwissenschaften legitimieren konnte. Denn sie bewahrte ihr einen eigenen Gegenstandsbereich (das Mentale), eigene Methoden (Bewußtsein und Introspektion), dazu ihren trafitionellen Anspruch auf notwendige Wahrheit und “Letztbegründung”. Das Leib/Seele-Problem aufzulösen, erfordere, diese Idee zu erschüttern. In drei Hauptkapiteln über das klassische Leib/Seele-Problem von Descartes bis Ende des 19. Jahrhunderts, die “sprachanalytische” Phase und den “Materialismusstreit” seit 1950, gibt Wiesendanger einen klaren, profunden Überblick über die Entwicklungsgeschichte dieses Rätsels innerhalb der akademischen Philosophie. Das Schlußkapitel präsentiert seine Auflösung - und fragt provokativ, was eine Philosophie noch sein könne, nachdem ihr der “Geist” abhanden gekommen sei. Eine 60seitige Bibliographie mit Literaturtips, die bisher wohl sorgfältigste ihrer Art, erleichtert Interessierten den Einstieg in die Thematik.”
Esotera 1988
“Der Titel seines neuesten Buches paßt zu ihm: Harald Wiesendanger schreibt “mit Leib und Seele”. Inzwischen zählt der junge Philosoph und Psychologe zu den namhaftesten Wissenschaftsautoren bundesweit.”
Badische Zeitung Nr. 76, 31.3./1.4.1988
“Mit Hilfe eines Stipendiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft forschte Wiesendanger dem “Leib/Seele-Problem” nach, einem Schlüsselproblem der Philosophie. Daraus entstand sein Buch Mit Leib und Seele. Für Harald Wiesendanger ist es der “Schlußstrich unter eine andere Karriere, die glücklicherweise keine wurde”: Statt die Hochschullaufbahn einzuschlagen, entschied er sich für die Wissenschaftspublizistik.”
Oberbadisches Volksblatt 30.12.1987
“Im Zuge der Lektüre für meine Lizenziatsarbeit in Philosophie bin ich auf Ihr Buch ‘Mit Leib und Seele’ gestoßen. Obwohl ich in meiner Arbeit eher an die kontinental-phänomrnologische Tradition anknüpfe, war für mich die Lektüre Ihrer Schrift, die sich ja eher an der Analytischen Tradition orientiert, sehr wertvoll.
Roland F., Winterthur



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